Bundesmusikkapelle Kartitsch

1827



Wie alles begann ...

Die Wurzeln der Instrumentalmusik liegen in Kartitsch schon über 200 Jahre zurück. Damals wurde hauptsächlich zu kirchlichen Anlässen gespielt. Die damalige Besetzung mutet für heutige Verhältnisse recht sonderbar an und reichte von Geigen, Klarinetten, Naturtrompeten bis zu Fagott und Orgel. Mit den Militärkapellen zur Zeit Napoleons kam eine neue Art von Musik in unsere Gegend. Märsche erklangen und die ersten Ouvertüren waren zu hören. Inspiriert von diesem neuen Betätigungsfeld begannen die Kirchenmusiker von einst, begeistert weltliche Musik zu spielen. Die Musikbanden von damals hatten nicht die Struktur eines Vereins, sondern waren bunt zusammen gewürfelte Haufen von begeisterten Musikern. Einer jener engagierten Menschen in unserem Ort war Karl Kammerlander (1751-1824). Er ist der erste nachweisbar erfolgreiche Vertreter der Instrumentalmusik in Kartitsch. Als erster eigentlicher Kapellmeister gilt jedoch Lehrer Josef Trojer. Ihm folgten dann in den nächsten sieben Jahrzehnten fast ausschließlich Lehrer, welche meist auch als Organisten und Chorleiter tätig waren.

Anfang dieses Jahrhunderts wurde die erste Uniformierung eingeführt. Diese bestand aus einem weißen Strohhut mit grüner Schnur. Die erste Ausrückung der Musikkapelle außerhalb der Gemeinde war am 16. August 1898 nach Obertilliach, und in den darauf folgenden Jahren wurden Reisen nach Bozen und Wien unternommen. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahre 1914, umrahmte die Kapelle sämtliche kirchlichen und weltlichen Feste in Kartitsch.


Kurz nach Ende des 1. Weltkrieges im Nov. 1918 wurde mit großer Freude und Ausdauer, trotz der herrschenden Finanznot mit dem Musizieren begonnen. Der Wunsch nach einer eigenen Tracht konnte im Jahre 1923 durch die Unterstützung der ganzen Bevölkerung verwirklicht werden, sodass am Fronleichnamstag die Musikkapelle in der alten Pustertaler Tracht aufmarschieren konnte. Gleiches galt für die Anschaffung einer neuen Vereinsfahne im darauf folgenden Jahr. Im Herbst dieses Jahres trat die Kapelle dem im Frühjahr neu gegründeten Musikbezirk Oberland bei. In Hinblick auf das hundertjährige Bestandsjubiläum wurde die Probenarbeit verstärkt, und so wurde das Fest im Juli 1927 in musikalischer sowie gesellschaftlicher Hinsicht ein voller Erfolg.

Die Zeit des 2. Weltkrieges ging auch an der Musik nicht spurlos vorüber, und die Musikkapelle zählte im Jahre 1942 nur mehr 15 Mann. In den Jahren der Nachkriegszeit ging der Aufbau der Kapelle nach Heimkehr ihrer Mitglieder aus der Kriegsgefangenschaft schnell vonstatten. In den frühen 50er Jahren erreichte die Musikkapelle unter Kapellmeister Josef Strasser ein ähnlich hohes Niveau wie in den 30er Jahren. Zur damaligen Zeit zählte die Kapelle zu den besten des Bezirkes Lienz. Nach 7-jähriger Kapellmeistertätigkeit von Josef Riedler wurde im Jahre 1963 der erst 22-jährige Klarinettist Josef Walder zum Kapellmeister gewählt. Eine ungewöhnliche Neuerung brachte das Jahr 1975, denn es traten dem Verein 4 Mädchen bei. So war die Musikkapelle Kartitsch die erste Kapelle im Oberland, die durch weibliche Mitglieder aufgewertet wurde. Eine Entscheidung, die bald ihre Nachahmer (bis zu den Wiener Philharmonikern) gefunden hat. Ein lang gehegter Wunsch unserer Musik, der Bau eines Pavillons, konnte im Jahre 1976 umgesetzt werden. Rund 1400 Arbeitsstunden wurden durch die Mitglieder der Musikkapelle und andere freiwillige Helfer geleistet, wofür wir heute noch sehr dankbar sind.

Das Jahr 1977 war geprägt vom I50-jährigen Bestandsjubiläum. Wie bei allen großen Festen bedurfte es auch bei diesem einer intensiven Vorbereitung. Dies galt sowohl für die musikalische, wie auch für die organisatorische Arbeit durch Kapellmeister Josef Walder und Obmann Peter Tassenbacher. Diese Anstrengungen wurden durch ein erfolgreiches und fröhliches Bezirksmusikfest mehr als belohnt.


Dass die Musikkapelle nicht nur bis 1500 m Seehöhe, sondern weit darüber hinauf ihren Einsatzbereich hat, bewies sie spätestens mit der musikalischen Umrahmung der Messfeier anlässlich der Einweihung des Europa Kreuzes auf der Großen Kinigat im Jahre 1979. Die Abhaltung dieser Bergmesse im Spätsommer hat sich bis heute erhalten, und es kann durchaus vorkommen, dass die Musik fast vollzählig daran teilnimmt. Bei der Betrachtung unserer Kapelle fällt mit Sicherheit das sehr niedrige Durchschnittsalter der Musikantinnen und Musikanten auf. Die Wurzeln dafür liegen in den 70er und 80er Jahren, in denen besonders die Jungmusikerausbildung durch die Vereinsführung gefördert wurde. Hier ist im besonderen Kapellmeister Josef Walder zu erwähnen. Mitte der 80er Jahre begann man mit Konzerten im In- und Ausland für unsere Heimatgemeinde musikalisch zu werben, waren dies Konzertreisen nach Goldau - Schweiz, Wolnzach - Bayern, Loipersdorf­ Steiermark. Viele persönliche Freundschaften sind diesen Reisen entsprungen und werden bis heute gepflegt. 1985 gab Kapellmeister Josef Walder nach mehr als 22-jähriger erfolgreicher Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen den Taktstock an Leopold Kollreider aus Anras weiter. Auch die Obmannstelle wurde von Peter Tassenbacher an Josef Jungmann übertragen. An das Jahr 1987 werden wohl einige Musikanten mit gemischten Gefühlen zurückdenken. In diesem Jahr feierte man das I60-jährige Bestehen. Ein Teil des Bezirksmusikfestes fiel jedoch dem schlechten Wetter zum Opfer. Nach 5-jähriger Tätigkeit von Kapellmeister Kollreider, der zwischen Anras und Kartitsch pendeln musste, fand eine Kapellmeister-Hofübergabe statt. Der junge Kartitscher Fachschullehrer Peter Außerlechner, vlg. Oberkanter, trat beim traditionellen Osterkonzert seine Nachfolge an.


Aus dem Vermächtnis dieser großartigen Tradition heraus und im Wissen um die Bedeutung der Blasmusik für die Gesellschaft und Kultur in unserem Dorf begangen wir im Jahre 1997, bereits das I70-jährige Bestandsjubiläum.


Die Musikkapelle Kartitsch feierte im Jahr 2007 ihr 180-jähriges Bestandsjubiläum und gleichzeitig das Musikfest vom Musikbezirk Osttiroler Oberland-Pustertal.


2017 feiert die Bundesmusikkapelle Kartitsch ihr 190-jähriges Bestandsjubiläum.